Rund Usedom mit Klaus-Jürgen

Start am 06.09.2019. Ich hole Klaus-Jürgen Zuhause ab und gemeinsam fahren wir nach Greifswald. Zum ersten Mal, dass ich dieses Jahr ohne Stau ankomme. Nach nicht einmal 5 Stunden stehen wir an der Fischtheke vom Marktkauf. Die Matjesbrötchen und ein Schellfischfilet für das Abendbrot füllen die Kühltasche im Kofferraum. Weiter geht es in den ALDI. Mit einem meterlangen Kassenbon verlassen wir den Markt und stauen alles im Wagen. Klaus-Jürgen wird jetzt unruhig und drängelt zum Aufbruch. Er will an Bord.

Vom Parklatz im Heimathafen geht es mit 3 Transportwagen zum Anleger. Mein Platz 78 liegt gefühlte 250m vom Parkplatz entfernt. Wir entern genesis, bauen die Gangway an und legen Strom. Hinein in die gute Stube.


Die offene Bilge ist nicht trocken. Oje. Geschmacksprobe; es ist Süßwasser. Entweder Regenwasser oder Frischwasser aus dem Wassertank. Vor dem Beladen pumpe ich die Bilgen ab. Es gehen 15-20l Wasser über Bord. Jetzt die Bilgen schließen und wir können unsere Einkäufe und Effekten stauen.

Nach der Zwischenmahlzeit mit dem Matjesbrötchen und dem Spülschluck aus der Bierflasche erkläre ich die wichtigsten Sicherheitsfunktionen unter Deck. Die Sonne lockt uns an Deck und so geht die

Sicherheitseinweisung oben weiter. Heute bleiben wir im Heimathafen und warten die Wetterprognosen der nächsten Tage ab. Für Samstag ist SW angesagt. So legen wir Seedorf als ersten Hafen zur Ansteuerung am Samstag fest. Es wird ein langer Abend und wir spinnen unser Seemannsgarn bis die Klüsen zuklappen. Gute Nacht.


Samstag, 07.09.2019 Heimathafen-Seedorf/Rügen 19,2 Sm
Wir sind ausgeschlafen, nehmen unser Frühstück im Cockpit ein und entscheiden uns mit der 11:00 Uhr Brücke zu starten. Den gekauften Fisch habe ich gestern eingefroren. Wir haben unsere mit gebrachten Stullen gegessen und waren danach satt. So gibt es den Fisch heute Abend und ich brauche beim Auslaufen nicht in Wieck halten und bei den Fischern nach Fisch fragen.


Das übliche Leinenentwirren am Pfahl verzögert die Abfahrt. Der Nachbarlieger hat seine Festmacher über meine liegen und meine Leinen sind nicht auf Slip ausgelegt. So ist erst der Palstek zu lösen und auf der Luvseite eine neue Leinenverbindung auf Slip anzubringen. Der Motor wird gestartet und es geht mit Fahrt voraus aus der Box zum Üben des Anlegemanövers. Schiet, bei der Demo des Solo-Rückwärtseinparken verschätze ich mich mit dem einfallenden Seitenwind und der Flaggenstock touchiert den Pfahl. Es macht „knack“ und der Adenauer geht baden. Gut, dass ich den Stock gesichert habe. So kann ich die Flagge an Bord holen und sichern. Nach diesem Malheur breche ich die Übungen ab und wir reihen uns in die Schlange der Wochenendsegler ein, die zur 11:00 Uhr Brücke den Ryck herunter fahren.
Nach Passieren der Brücke setzen wir im Hafen von Wieck das Groß und segeln in der Fahrrinne über die Dänische Wieck in Richtung Norden.

Mit ausgebaumten Passatsegel und Groß passieren wir nach einer Stunde die Tonne Greifswald. Mit dieser Segelstellung können wir unseren nächsten Wegepunkt -Reddewitz- anpeilen. Vor der Einfahrt in den Seedorfer Hafen streichen wir die Segel. Von unterwegs habe ich mir einen Liegeplatz reserviert und Uwe hat die 29 auf „ROT“ gestellt. Und richtig der Platz ist frei und wir fahren in die rote Box. Es ist Kaffeezeit…., es gibt allerdings Matjesbrote und ein Anlegerbier aus der Kombüse im Cockpit. Gestärkt geht es ins Wasser. Bewaffnet mit Spachtel und Schwimmbrett gehe ich den Pocken an den Kragen. Nach einer halben Stunde bin ich um genesis herum und die Wasserlinie und das Ruderblatt sind pockenfrei und ich bin platt. An Land und vor dem Hafenbüro wird gegrillt und Essen aufgetischt. Mmmmhm, das macht Appetit. So wandert schon zur frühen Abendstunde der Schellfisch auf einem Zwiebelbett mit Weißwein zum Dünsten in die Röhre. Hierzu gibt es Senfbutter (Soße) und Kartoffeln aus dem Schnellkochtopf. Der vorgeheizte Backofen kommt ein zweites Mal zum Einsatz. Diesmal landen 2 Brote auf dem Backblech, die nach einer Stunde zum Abkühlen ins Cockpit gestellt werden.

Sonntag, 08.09.2019 Seedorf – Wolgast 20,5 Sm
Was wäre ein Sonntag ohne Ausschlafen? Wir nutzen die Ruhe und bleiben bis 10:00 Uhr in den Kojen. Nach dem „Riesen“Müslifrühstück (für meine Verhältnisse) legen wir um 12:00 Uhr ab. Mit einem schwachen NO geht es mit Halbwind den Zwangsweg in Richtung Landtief. Jeetzt wird die Trimmkiste geöffnet. Klaus-Jürgen nimmt meine Tabellen als Foto auf und ich erkläre die Einstellung und setze diese in der Praxis um. Wir holen über 1 Knoten Fahrt mehr heraus. Mittlerweile sind wir am Landtief West und es regnet. Der Nieselregen wird von einem Regenbogen begleitet. Der Wind schläft gegen 14:00 Uhr vollends ein und mit Motorkraft ziehen wir unseren Kurs den Penestrom hinauf. Wir haben Zeit und zuckeln mit 4 Knoten nach Wolgast. Vor der Brücke steuert Klaus-Jürgen genesis an den Wartedalben. Der zweite Anlauf ist perfekt und wir schwoijen am Dalben und warten auf den 16:45 Uhr Zug.

Nach der Brückenöffnung gehen wir längseits in den Stadthafen. Der Hafenmeister kommt gegen Achtuhr. Er ist (auch) der Schiffsausrüster vom Geschäft gegenüber. Für morgen erwartet er eine Sendung, die, ich will es nicht glauben, Flaggenstöcke enthalten soll. Dann können wir den Adenauer = Nationale wieder vorschriftsmäßig setzen. Bei dem Mistwetter verzichten wir auf einen Spaziergang und gehen dafür in die Klönstube unter Deck.

Montag, 09.09.2019 Wolgast – Rankwitz 10,36 Sm
Wir haben heute nur einen kurzen Schlag geplant; denn wir warten auf den Lieferdienst, der u.a. den Flaggenstock bringen soll. Ich nutze die Wartezeit mit einem Gang zu NETTO und wunder mich über die vielen Brautpaare in der Stadt. Na klar, es ist der 9.9.! Das kann man(n) sich leichter merken. Zur Mittagszeit gehen wir gemeinsam auf ein Fischbrötchen von Bord in Richtung Stadt. Der Schiffsausrüster hat den Liefertermin für 15:00 Uhr bestätigt bekommen. das reicht für uns noch für einen Cappucino, um die Zeit zu überbrücken. Gegen 16:00 Uhr ist immer noch kein Paket eingetroffen. Wir sind das Warten leid und werfen die Leinen los. Es geht weiter südwärts den Peenstrom hoch. Die WaschPo fährt parallel und kontrolliert im Strom die Angler. Wir sind heute nicht das Ziel einer Kontrolle und sind irgendwann außer Sichtweite. Nach gut zweieinhalb Stunden legen wir in Rankwitz an der „Kaimauer“ an. Unser Nachbarlieger mahnt uns zur schnellen Entscheidung. In 20 Minuten schließt die Speisenbestellung im Restaurant. Kein Klar Schiff, aber ab in die Jeans. Portmonnaie eingesteckt und los gehts. Puh, das war knapp. Unsere Bestellungen aus der Küche werden angenommen und ich entrichte im Fischladen die Hafengebühr. € 13,20 incl. freies Duschen und keine Kurtaxe. Hier will ich bleiben. Das Essen ist lecker. Danke Klaus-Jürgen für die Einladung.


Das Lokal will schließen und wir kommen entsprechend früh zurück. Deutschland spielt heute gegen Irland und wir haben kein RTL. So schauen wir alle paar Minuten bei Spiegel Online nach den Verlauf. Es wird heute ein besseres Ergebnis eingespielt als am Samstag gegen die Niederlande.

Dienstag, 10.09.2019 Hafentag in Rankwitz
Geweckt werden wir von den einlaufenden Wellen, die unter dem Heck schlagen und anklopfen. Es weht bereits mit 25 Knoten und der Wetterbericht warnt für die Mittagszeit mit Böen von bis zu 9 Beaufort. Die Tagesplanung ist schnell erledigt. Wir bleiben im Hafen und wettern ab. Mit so viel Wind gehe ich kein Risiko in diesen engen Fahrwassern ein. Nach dem Frühstück kaufe ich für das Abendbrot ein Zanderfilet und bin froh wieder an Bord zu sein. Bei dem durchziehenden Regen bin ich schnell durchgeweicht und trockene meine Sachen im WC Raum. Was machen wir: lesen, basteln und die Zeit vertreiben.

Zwei Böen ziehen mit über 40 Knoten über uns hinweg. Abwarten und Tee, nein Kaffee trinken. Um vier wird es etwas ruhiger. Die Wellen laufen weiter ohne Ablenkung unter bzw. gegen das Heck. Bumm, Bumm und nochmals Bumms. Was so ein Rumpf aushalten muss? Das wird eine unruhige Nacht werden.