Norwegen Teil 4

Bovalstrand – Marstrand – Anholt  123 Seemeilen (24.-25.09.2017)

Reise, Reise geht als Weckruf um 06:30 Uhr durch den Peter. Der Kaffeeduft weht mir aus der Kombüse entgegen. Mit der Abkühlung aus der Eimerdusche springe ich von Bord ins kalte Wasser und kämpfe mit dem Wasserstag achtern, um nach ein paar Schwimmzügen wieder an Bord zu klettern. Von den vielen Feuerquallen, die gestern noch hier waren, ist im Moment keine zu sehen. Körperlich begegnen möchte ich allerdings keiner.

Die Backschaft haben immer noch oder schon wieder Frauke und Didi. Es gibt ein ausgiebiges und vitaminreiches Frühstück bevor der Anker in 5 m Schritten gehoben wird. Das Manöver beginnt um 08:30 Uhr und endet nach einer dreiviertel Stunde. Zur Sicherheit läuft der Motor mit, obwohl wir mit gesetztem Groß bereits über den Ankergrund laufen und das Eisen ausbrechen. Kaum ist der Anker in der Führung an Bord, geht die Fock hoch. Wir segeln aus dem Bottnefjord heraus in den Kären. Hier erwartet uns das Skagerrak oder ist es bereits das Kattegat mit fair winds aus Ost bis Nordost in der Stärke 4 und in Böen 5.

Wir haben halb Elf und der Peter zieht mit 7,5 Knoten seine Kielspur nach Süden. Das erste Reff wird um 12:10 Uhr eingeschlagen und die Backschaft hat es mit weniger Schräglage leichter, den griechischen Salat zum Lunch zu bereiten.

Heute hat meine  Wachmannschaft keinen Dienst. Zwischen Ablegen und dem geplanten Anlegen in Marstand kommen wir nicht zum Einsatz.
Wir haben uns zum Vorsatz geeinigt, nicht über Politik und Religion zu diskutieren. Das fällt an einem Wahlsonntag allerdings schwer. Auf die ersten Hochrechnungen sind wir auch im Kattegat gespannt.

Der Schärenslalom beginnt mit der Ansteuerung von Bäkeskär vor Marstrand. Duch dieses Nadelöhr soll es gehen. Ich bin in der Navi-Ecke an der Karte und Plotter und unterstütze den Rudergänger mit den Kursansagen. Hanneke hat den aktuellen Kartensatz vom NV Verlag auf das Tablet heruntergeladen und im Team finden wir die Ansteuerung von Marstrand. Voraus kommt das Leuchtfeuer der Hafeneinfahrt in Sicht.

Der Jokel verrichtet während die Segel geborgen werden seinen Dienst. Es ist bereits halb Vier und wir sichten unseren Anleger. Direkt vor den Duschen und dem Hafenmeisterbüro auf der Westseite von Marstrand.

 

 


Wir sind alle nach den 45 Seemeilen entspannt. Die Fender und Festmacher sind vorbereitet und die Bootsfrau lehnt locker und gelöst am Mast und hat die Positionen und Rollen der Deckscrew zum Anlegen verteilt.

Der GT sollte nach dem Anleger um 16:00 Uhr gereicht werden. Wir haben keinen Gin und Tonic mehr. Also Rundfrage aus der Backschaft: Wer will Bier, O-Saft mit und ohne Rum? Kein Thema, nur wird uns klar, dass wir noch Einkaufen müssen. Neben dem Tonicwater fehlen mir und Erich noch die Zutaten für die nächsten 3 Tage. Mit Google und Rucksäcken ziehen Thomas und ich mit der Fähre los. Wir müssn auf die andere Seite nach Käro. Dort hat der Coop Supermarkt noch geöffnet. Wir telefonieren nach Christian, der mit seinem Riesenrucksack die nächste Fähre für den Rücktransport nimmt. Unseren Einkaufszettel können wir bis auf den Fisch abarbeiten.
Christian schleppt gefühlte 30 KG und ich habe 4 Sixpacks im Rucksack. Thomas trägt das zerbrechliche in der Tüte. Jetzt können wir durchsegeln; denn die Vorräte reichen bis Donnerstag.

Ingo ist ebenfalls wieder wohlauf und nach einem Stadrundgang für das gemeinsame Abendessen in der richtigen Verfassung. Frauke und Didi holen aus dem Kartoffelkeller (Bilge) die Zutaten für den Eintopf: Porree, Zwiebeln, Sellerie, Karotten und, und und. Für die Fleischpflanzen werden die Wienerle erhitzt und alle sind überzeugt, dass der asiatisch angehauchte Linseneintopf super schmeckt. Von den 10 l Eintopf bleibt nur ein kläglicher Rest für morgen Mittag zum Lunch übrig.

In Marstrand sind die Bürgersteige hochgeklappt. Beim späten Rundgang sind alle Restaurants und Bars geschlossen und wir kehren auf den Peter zurück. Mittlerweile haben sich alle in die Kojen verholt und ich folge ebenfalls der horizontalen Tendenz, die mein  Körper fordert.

Am 25.09.2017 beginnt meine Backschaft mit Kaffeekochen um 06:30  Uhr. Wir haben mehrere Kaffeetrinker an Bord, die diesen Putsch am Morgen brauchen. Der Hafenmeister ist jetzt erreichber. Erich bezahlt für unsere stolze Yacht 500 SKr und Thomas startet den Motor.

Wir legen um 08:30 Uhr ab und gehen unter Maschine in den Draget Kanal, der nun vor dem Bug liegt. Mit 235° kommen wir durch. Am Ende des Kanals setzen wir westlich Sör-Krakon das Groß im ersten Reff, den Klüver und Besan. Es weht mit 18 Knoten aus Ost.

Der abgesetzte Kurs 185 peilt das 70 Seemeilen entfernte Anholt an. Für die nächsten Stunden wird nicht mehr an den Schoten gezogen. Wir haben einen konstanten Wind mit 5 Windstärken aus Ost, der in den Böen um 15° vorlicher einfällt.

Die einzige Abwechslung ist um die Mittagszeit eine Begegnung mit dem schwimmenden Gefängnis von 3.000 Seetouristen auf der AIDA, die von Kopenhagen kommend nach Oslo unterwegs ist. 5.000 Tonnen Schwerölverbrauch in der Stunde stinken noch eine halbe Stunde nachdem diese Dreckschleuder am Horizont längst verschwunden ist. Die schwedische Küstenwache interessiert sich für einen Frachter, der unerlaubter Weise irgendein Öl ablässt. Der Hubschrauber der Küstenwache  kreist über den Frachter und wir hören den Funkverkehr mit. Angeblich wird der Laderaum gelüftet, sagt der Chefingenieur. Das glaubt allerdings die Küstenwache nicht; denn die Ölspur sei bereits 7 Seemeilen lang. Der Umweltsünder wird in den nächsten schwedischen Hafen zum Anlegen und Überprüfen der Sachlage gezwungen. Den folgenden Funkverkehr und das Ergebnis bekommen wir nicht mehr mit.

 

Oben ist herrlicher Sonnenschein und unter Deck ist die Freiwache am Lesen. Nach dem Kaffee und dem nächsten Wachwechsel sieht die Welt wieder grau in grau aus.

Didis Wache ist aufgezogen und Hanneke ist in ihrem Element. Nachdem wir die Kardinaltonne West vor Anholt passiert haben,  geht es hoch am Wind in Richtung Hafen.

    

Während oben die Crew mit der Höhe zum Wind kämpft, habe ich das Essen auf dem Herd. Die Schweinefilets sind angebraten und mit Knobi, Rosmarin und Weißwein abgelöscht. Die Butter für den Sellerie ist geschmolzen und in der Röhre bruzzeln die Rosmarinkartoffeln. Jetzt brauche ich einen kurzen Blick aus dem Schiff,- wann kommen wir an?

Um 19:00 Uhr starte ich die Maschine und Thomas nimmt die Hafeneinfahrt vor den Bug. Die Deckscrew ist am Segelbergen und klart auf. Keine halbe Stunde später liegen wir im Hafen von Anholt mit 3 weiteren Segelyachten an der Innenmole. Wo sind Sie geblieben? Die vielen Segler die noch im August den Hafen übervölkern?

Ich reiche den GT mit Knabbereien hoch und wir begießen einen tollen Segeltag mit viel Spaß und ohne Bundestagswahl Diskussionen nach 78 Seemeilen. Meine Backschaft ist erst morgen Abend zu Ende und das Frühstück soll um 08:00 Uhr am Dienstag gereicht werden.