Bornholm mit Pech + Pannen Teil 1

Jetzt ist es bereits der 11. Juni und ich bin noch keine Seemeile gesegelt. Bis auf die Motorbootfahrt von Ladebow in den Heimathafen ist genesis bisher nicht im Wasser bewegt worden. Bei der Überfahrt zeigte die Winden – Batterie nur 4,8 Volt an. Also ist sie platt. Da haben die letzten Chartergäste wohl zu lange den Joystick bedient. (Panne 1). Von Wendel & Rados bekomme ich vor dem ersten Segelschlag eine neue geliefert und auch die defekte GPS Antenne vom Plotter (Panne 2) wird gleich mit ausgetauscht. Nun kann der Törn beginnen.

Mit Horst habe ich mich am Montagmorgen um 06:00 Uhr an der A-9 verabredet. Wir treffen uns wie vereinbart und es geht weiter nach Berlin, um Heiner abzuholen. Nach einer Stärkung mit Kaffee und Kirschen vom Baum aus dem Garten geht es von hier direkt zum Schiff. Es sind fast alle Arbeiten in der Zwischenzeit ausgeführt worden. Jetzt fehlt nur noch das Passatsegel und die immer noch nicht gelieferte neue Ankerwinde. (Pech 1) Wir richten unsere Kojen ein und schaffen das Gepäck an Bord. Ich liege jetzt am A. d. W. des Steges und jeder Weg zum Parkplatz oder dem Sanitärgebäude will geplant sein. Was kann mitgenommen werden oder fehlt noch aus dem Auto?

Unterwegs auf der Autobahn haben wir den Speiseplan besprochen und wir drei starten nun den Großangriff mit 2 Wagen im Aldi, die schnell gefüllt sind. Was wir hier nicht erhalten, hole ich aus dem Marktkauf und mit 3 Fischbrötchen geht es zurück in den Heimathafen. Hier kommen die Brötchen zum Verzehr und bis zum Brückenzug um 19:00 Uhr ist alles verstaut und eingeräumt. Wir legen uns vor das Majuwi. An der Wassertankstelle wird immer noch gebaut und so bleiben wir auf der Südseite des Ryck.

An Kochen will heute (k)einer denken. Wir gehen auf den letzten Drücker in das Wieck 54. Dreißig (30) Minuten vor Feierabend schlägt uns eine schlechte Stimmung des Kochs und der (Selbst)-Bedienung entgegen. Wir lassen uns nicht verschrecken und spülen den zu kleinen Dorsch bzw. die Mini Flunder mit Gerstensaft herunter und geben anschließend Fersen- statt Trinkgeld. (Pech 2)

Der Wecker klingelt am Dienstag, 12.06.18, um 04:00 Uhr und ohne Frühstück sind wir schon um fünf Uhr am Segeln und legen die Tonne Greifswald an. Wir haben gestern Abend beschlossen, die 16 Stunden Fastenkur zu beginnen; d. h. 16 Stunden nach der letzten Mahlzeit/Kalorienzufuhr nichts mehr zu essen. (Intervallfasten…!?) In unserem Fall heißt das nun von 21:00 Uhr bis Dienstagmittag 13:00 Uhr nur ungesüßtes oder Wasser zu trinken und nichts zu essen… Wenn das mal Gut geht…

Der Wind ist uns heute treu und kommt mit passender Stärke aus der richtigen Richtung. Bereits nach 2,5 Stunden haben wir Landtief B im Kielwasser und bei den 5-6 aus West das 2. Reff eingebunden. Zur Mittagszeit sind wir am Adlergrund und sehen den Windpark mit über 70 fertig gestellten Mühlen. Horst bekommt die Schaukelei nicht und füttert die Fische an. Trotz Intervallfasten gibt der Magen seinen Inhalt ab. Für Horst ist der Tag gelaufen. (Pech 3) Er verabschiedet sich unter Deck in die Waagerechte und verkeilt sich im Salon. Heiner ist tapfer und hält durch. Unser Fasten beenden wir mit Müsliriegeln und Bananen. Für die Backschaft fehlt mir die Lust und mit den Kochgerüchen möchte ich Horst nicht noch mehr in seinem Elend quälen.

Wie mit unseren Nachbarn aus Limmersdorf von unterwegs per SMS vereinbart, laufen wir um 16:30 Uhr nach 80 SM in Rönne Sportboothafen ein, und Angelika & Stefan stehen mit dem Anlegebier bereits am Steg. Sie machen hier am Sanduhren-Strand in Duedde Urlaub, nachdem sie letztes Jahr mit uns per Schiff hier waren und die Insel sie so begeistert hat. http://thumel.org/?p=137
Wir verabreden uns für Donnerstag in Ihrem Ferienhaus, falls sich an der Windvorhersage nichts ändert. Heute Abend hat Horst bereits wieder Appetit entwickelt und so kann ich von Schon- auf Vollkost umstellen. Das Intervallfasten werden wir für den Rest des Törns nicht mehr in Betracht ziehen und absetzen.
Zum Sundowner kommt heute der GT zum Einsatz.
Zur späten Stunde legt sich die Yacht eines Segelvereins aus Norddeutschland an unsere Steuerbordseite ins Päckchen. Ausgerechnet an der Stelle der ersten Berührung hängt bei denen kein Fender. Der Knall hört sich nicht gut an und ich stehe sofort an Deck und helfe im Schlafanzug die Leinen und Springs an der genesis zu belegen. Eine erste Begutachtung per Taschenlampe  ist negativ. Es findet sich kein sichtbarer Schaden. (Pech 4) Gut so; dann haben sich die drei unsere Suppe verdient. Ich habe noch einen halb vollen Topf mit Caldo Verde vom Abendessen über, der auf dem Nachbarschiff helle Freude auslöst.

Es ist zwar Urlaub, aber der Busplan gibt uns eine Abfahrtszeit für 10:15 Uhr vor. Zuerst geht es in die Touristen-Info, Karten kaufen, 2018er Busplan mitnehmen und auf zur Bushaltestelle.

Wir sind pünktlich, nur der Bus der Linie 7 nicht. Ein ebenfalls wartendes Ehepaar verrät uns den Grund: Auf Bornholm ist das Jugend-Politik-Festival mit mehr als 10.000 Teilnehmer und die Busse sind mit Ihrer Fahrgastaufnahme am Limit. (Pech 5) Eine Stunde später sitzen wir im Bus, wenn auch nicht der „richtige“ und kommen nach einem Umstieg in Allinge nun doch zum Hammerhuis.

Vor lauter Aufregung, welcher Plan, welcher Bus, welche Zeit gilt denn nun an der Haltestelle lasse ich doch glatt meine Kamera auf der Bank liegen…!? Wie gut das Horst es merkt und mich vor der nächsten Pleite (= Panne 3) bewahrt.

Der Stimmung entsprechend, kommen die nächsten Bilder in Sepia bzw. mit Retroeffekten. Von hier geht es nun nach Gudhjem. Wir haben Hunger und wollen Fisch satt. Tiermotive sehen wir an den Häusern und
  
auf den Kanaldeckeln.  In der Gudhjem Rogeri werden wir fündig. All You can eat gibt es vom Fischbuffet. Ich kann nicht an mich halten und schaffe die komplette Runde: Von jeder Herings- und Lachssorte bediene ich mich und kann an den vielen Dips nicht vorbeigehen ohne zu probieren. Nach dieser Eiweißpower brauche ich Bewegung. Gut, dass die Busstation oberhalb vom Ort liegt und wir bergan gehen. Natürlich kommt der Bus erst eine halbe Stunde verspätet an. (Pech 6)

Wir steigen an der Rundkirche in Østerlars aus und

der Anschluß zum nächsten Bus ist erst in einer Stunde. So bleibt viel Zeit für die Besichtigung der Wehranlage und der inneren Laufgänge in der Kirche. Mit dem letzten Bus auf der Linie erreichen wir am frühen Abend Rönne . Eine Überraschung erwartet uns im Cockpit. Die Nachbar-Crew hat den gespülten Topf zurück gebracht und zur Belohnung und als Dankeschön eine Flasche Merlot hineingelegt. Es gibt sie noch, die gute, alte  Kinderstube. Ich repariere anschließend die Schutzhülsen der Kohlebürsten vom Windgenerator; (diese sind zerbröselt)  in dem ich sie vor dem Herausfallen mit Tape sichere. Die Unwucht des Generatoflügels stammt aber nicht von dieser Panne (4); sondern von der ausgeschlagenen Ausgleichsbuchse im Heckträgerrohr. Nun segeln wir auf dem Rückweg ohne diesen Stromerzeuger und hindern den Rotor am Drehen. Wir beschliessen beim Abendbrot morgen wieder in Richtung Rügen aufzubrechen. Der Wetterbericht gibt uns grünes Licht.