Kaltarschsegeln an Allerheiligen 47,26 Sm

Die Anreise ist schon ungewöhnlich. Ich kann nach Mitternacht nicht mehr einschlafen

und entschließe bereits um 01:00 Uhr an Allerheiligen zu starten. Ich bin so früh in Greifswald, dass ich vor Öffnung des Marktkaufes eine halbe Stunde im Auto Schlaf nachholen kann. Die Einkäufe sind schnell erledigt und es geht an Bord. Aufheizen ist angesagt. In der Zwischenzeit wird geladen, das Bordrad geparkt und die Enterhaken mit Schrauben auf einer festen Länge  fixiert.

 

Im Baumarkt hole ich Glycerin und Frostschutzmittel für die Wasserauslässe und finde Muscheln mit längerer Haltbarkeit an der Fischtheke vom Marktkauf. Ein Fischbrötchen zwischendurch und der Appetit ist gezügelt. Bei Wendel&Rados hat mein Terminwunsch zum Tausch der Ankerwinde nicht geklappt. Also auf ein Neues in der nächsten Woche. Mittlerweile ist es später Nachmittag und es wird nicht nur kühler; sondern schneller dunkel. Ich habe meinen fehlenden Schlaf heute mittag nachgeholt und weil es so mollig warm ist, glatt verschlafen. So wird das Auslaufen auf morgen verschoben.
Ich bin am Freitag früh auf den Beinen, die Dusche im Hafen ist wegen Renovierung geschlossen. So heize ich den Warmwasserboiler auf und nehme ein Duschbad an Bord. Den 09:00 Uhr Brückenzug lasse ich verstreichen und bereite mich auf den 10:00 Uhr Zug vor. Pünktlich liege ich vor der Brücke; nur geht sie nicht hoch. Ich lege an und gehe zum Hafenamt.

Ha, ha, ha, lesen sollte man können; ab dem 29.10. wird täglich nur um 0900, 1100, 1300 und 1500 Uhr geöffnet, erzählt einer der Mitarbeiter. So nutze ich die Zeit für ein zweites Frühstück beim Fischer und esse ein Matjesbrötchen.
Endlich geht es hinaus auf den Bodden. Die Segel sind schnell gesetzt und der Kurs in Richtung Landtief, -ich will nach Sassnitz-, eingestellt.
 
Kaum zu glauben, dass wir den 02. November haben und ich in der Sonne, geschützt unter dem Dodger über 20°C Wärme genieße. Ist es nicht wie im Maivember?
Bereits um 13:00 Uhr stehe ich über dem Elsa Grund. Hier bricht ein Schäkel vom Passatsegel beim Öffnen der Lieken. Die Turnerei und der Kampf mit dem schlagenden Schothorn auf dem Vordeck beginnt. Angeschnallt fühle ich mich sicher. Die hier parallel laufende Küstenwache/Coastgard bietet per Megaphon ihre Hilfe an, die ich abwinke. Rufen geht auf die Entfernung nicht. Nach dem das Rodeo beendet ist, der neue Schäkel hält, melde ich mich bei der Coastguard per Funk an und bedanke mich für die Aufmerksamkeit. Leider erfahre ich auch, das ich heute nicht durch das Landtief segeln darf. Baggerarbeiten! Deshalb kreuzen die hier herum und sichern die Zufahrt ab. Ich kann aber um Ruden und dann das Greifswader Oie umsegeln, um nach Sassnitz zu segeln, kommt es aus dem Äther. Das ist mir für heute Nachmittag zu weit. Es ginge lange gegenan und würde später Abend mit einer langen Fahrt in der Dunkelheit. Nein, ich gehe über den Böttcher Grund nach Norden und bleibe auf dem Zwangsweg bis zur Tonne Reddewitz. Die ist schnell erreicht und der mitdrehende Wind auf West schiebt uns in die Having. Mit mir segeln 4 weitere Schiff hinein, die nach Baabe oder Sellin gehen. Ich bereite den Anleger am Forellensteg vor und fahre unter Groß in den schmalen Fjord. Bei Uwe hängt kein WC Schlüssel am Brett und der Strom ist abgeschaltet. So geht es weiter nach Vorne in den „Stadthafen“ von Seedorf. Bis auf die Hecht- oder Barschangler ist hier niemand im Hafen. Um 15:30 Uhr lege ich nach 25,42 Sm an und füttere die Stromsäule mit 50 Cent Münzen.

Mein Abendessen in Bildern:

Mis en place
bon appetit

S

basta

So finden die Muscheln und der Schales den Weg in meinen Magen und ich den Weg in die Koje. Bon nuit.

Heute morgen ist es nebelig und windstill. So werfe ich um 09:00 Uhr die Leinen los und tucker mit dem Diesel aus dem Hafen. Draußen auf der Having mache ich mir mein Frühstück. Kurz vor der Tonne Reddewitz kann ich die Segel hochziehen. Mit einem WWS 2-3 geht es hoch am Wind über den Bodden in Richtung Ansteuerung Greifswald. Das Wetter spielt heute wieder einmal Sommer bzw. Maivember. Nur dreht der Wind langsam auf Süd und ich kann mein Ziel auf diesem Bug nicht mehr erreichen.  Nach der Tonne Ariadne wenden wir und bis zur ersten Paartonne von Ladebow wiederholt sich die Kreuz noch zweimal. Um Viertel vor Zwei liege ich an der Wassertankstelle in Wieck und mit einem Einkehrschwung bin ich mit einem Lachsbrötchen in der Hand im Reusenhuis ein gern gesehener Gast. Mit dem 15:00 Uhr Brückenzug geht es nach 21.84 Sm in den Heimathafen. Der Liegeplatz an der Dieseltankstelle ist frei. Den nehme ich sofort in Beschlag. Hier ist das Entladen so easy und der Weg zur Toilette soooo nah.

Jetzt wird erst einmal aufgeklart und anschließend mache ich es mir für den Abend gemütlich und warm im Salon. Für morgen steht der Frostschutz an: Toilette, Wasserläufe und Seeventile mit Glycerin auffüllen und abdrücken.
Und fahr, fahrn, fahrn auf der Autobahn am Sonntag.

Bis zum nächsten Kaltarschsegelschlag.