Pfingsten im Großen Jasmunder Bodden (70,8 Sm und 162 Rad Km)

Mittwoch, 05.06.2019
Die Anreise beginnt gleich mit der ersten Stauumfahrung in Gütersloh auf die A-2. Ich gelange am Kreuz der A 33 zur A-2 in die gewünschte Richtung. Vor Bad Fallingbostel das gleiche Bild. Ich umfahre den Rückstau von 15 KM entlang des Truppenübungsplatzes und gelange nach 6 Stunden auf den Parkplatz vom Marktkauf in Greifswald. Ich gönne mir ein Fischbrötchen und Fisch für das Abendbrot. Das Thermometer im Auto zeigt 34° C an, als ich den Parkplatz vom Heimathafen erreiche. Für heute ist nur das Ausladen angesagt. Vier volle Karren und die Räder wandern an Bord. Den Großeinkauf verschiebe ich auf morgen. Ein Bad im Ryck und ich bin abgekühlt.

Donnerstag, 06.06.2019
Klar Schiff, Leerräumen der Kabinen, Termine mit W&R vereinbaren und mit dem Bootsbauer klären, wann die letzten Arbeiten zu erledigen sind. So vergeht der Vormittag. Die Räder wandern in den Transportsack und werden auf den Heckplattformen befestigt. Das Schlauchboot kommt in der Tasche auf das Kajütdach. Der Gennaker und das Stagvorsegel werden angeschlagen und es gibt Platz in der Fuchshöhle und der Steuerbordkabine. Robert hat die neue Tasche für die Rettungsinsel genäht und diese gleich verpackt. Das Großsegel ist genäht und angeschlagen; die Reffs sind eingebunden. Von W&R habe ich noch keine Antwort. Also werde ich die Umrüstung vom Plotter (Mutter-Tochter-System) auf das Ende vom Törn verschieben. Fronleichnam ist in Mac Pom kein Feiertag. Den Schweiß bade ich im Ryck ab und beginne mit dem Säubern der Wasserlinie. Ohne Schlauchboot ist das allerdings ein anstrengendes Arbeiten und ich verschiebe den Rest auf einen Tag in einer Ankerbucht. Das Wetter lädt zum Verwöhnen und Relaxen im Cockpit ein. Zum Abendbrot gibt es  eine Fischpfanne.

Freitag, 07.06.2019 -22,5 Sm
Didi kommt an Bord und per Segel und manchmal Motorunterstützung geht es zur Ziegelgrabenbrücke nach Stralsund. Wir legen uns nach dem Brückenzug vor Altefähr vor Anker. Zwei Jollensegler unterhalten uns mit ihren Manövern und werden auf dem Film gespeichert. Ein Bad zur Abkühlung, ein GT im Cockpit und der Plan für das Wochenende wird geschmiedet. Wir werden Wind und Wetter nutzen, um in den Großen Jasmunder Bodden zu segeln. Hier sind wir noch nie gewesen.

Samstag, 08.06.2019 – 31,2 Sm
Nach einer unruhigen Nacht vor Anker; der Wind hat sich entgegen der Vorhersage verstärkt und wir schleifen den Anker viele Meter über den Grund. Die Ankerwache vom Plotter signalisiert die Abdrift und der Track zeichnet ein wirres Wollknäuel auf dem Monitor. Wir lichten den Anker nach dem Bad und Frühstück und segeln im 1. Reff und mit der Genua 2 an Hiddensee und dem Rassower Strom vorbei und kommen nach 6 Stunden mit viel Segelfeeling bei 4-5 aus SW in Ralswiek an. Bei der Vorbeifahrt am Festspielgelände werden wir von einer „Kogge“ abgedeckt, damit unser Schiff nicht die Aussicht auf das Bühnenbild „modernisiert“. Unseren ersten Anleger müssen wir nach Rücksprache mit dem Hafenmeister verlassen und am gegenüberliegenden Steg (voller Entenkot) festmachen. Die Hafengebühr ist überzogen. € 53,– für 2 Nächte incl. Kurtaxe und Strom und die Duschen kosten nochmals extra. Das ist für den Ort und die Ausstattung eindeutig zu viel; denn von den Störtebeker Festspielen sehen wir nichts (sie fangen erst Ende Juni an und im Moment wird nur geprobt) und hören nur vereinzelte Böllerschüsse am Abend. Ich baue unsere Räder auf und schließe sie an der Stromsäule an. Dann beginne ich den Kampf mit dem Schlauchi auf dem Kajütdach und mache es einsatzbereit. Der zweite Teil vom Heilbutt wandert heute als Kotelett in die Pfanne und rundet unseren ersten Abend in Ralswiek ab. Das versöhnt uns mit der Hafengebühr; denn wir können das Essen im Schlossrestaurant streichen (einsparen).

Sonntag, 09.06.2019 – 40 Km
Mit den Rädern geht es nach dem Frühstück um den westlichen Teil des Jasmunder Boodens. Mein Akku ist heute schlapp und läuft nur auf den letzten Amperestunden. Deshalb kehren wir in Groß Banzelwitz am Campingplatz um und fahren an der „Küste“ zurück. Es geht an der Kirche von Rappin und dem Gut Kartzitz vorbei und nach den langen Strecken auf Schotter und Kopfsteinplaster freuen wir uns auf den Asphalt der Straße in Richtung Ralswiek.

An Bord werden die Akkus geladen und bei Sonnenschein sucht sich jeder sein Pläzchen zum Ausruhen.

Bei der guten Stromversorgung am Steg wird beschlossen, heute Abend den Racletteofen anzuheizen. Es gibt zusätzlich das Bio Rindfleisch auf dem heißen Stein vom Raclette in kleinen Portionen als Beilage gegrillt. Hhmmm lecker. Vor dem Angriff der neugierigen Möwen und Enten schützt uns das Cockpitzelt.

Montag, 10.06.2019 – 6,2 Sm
Nach dem späten Frühstück geht es in den nächsten Hafen im Jasmunder Bodden. Lietzow ist zu flach und teilweise trocken gefallen. Für die paar Meilen rolle ich nur das Vorsegel aus und und ab der Nordtonne hilft der Jockel mit, Martinshafen anzulaufen. Der Hafenmeister, Herr Kruse, gibt uns mit Zeichen den Liegeplatz an und wir ziehen rückwärts in die Box. Am Hafen gibt es einen Strand, der sofort frequentiert wird. Den ersten Rundgang machen wir per pedes und erkunden die nähere Umgebung. Unser Fazit: Hier bleiben wir für ausgedehnte Radtouren und Einkäufe. Der Tagespreis incl. Dusche liegt bei € 10,–, egal wie groß das Boot ist und die Anzahl der Mitsegler sind. Brötchenservice vom Hafenmeister Kruse. Die Anzahl wird abends erfragt und am nächsten Morgen steht die Tüte im Cockpit. Der Duschcontainer sieht von außen aus wie…, was er von Innen aber nicht ist. Pickobello sauber, hell und geräumig. Hier wird eine Woche zu liegen preiswerter, als 2 Tage in Ralswiek zzgl. Duschen zu verweilen.

Dienstag, 11.06.2019 – 64 Km
Die Räder sind klar und der erste Weg führt nach Sagard zu Edeka. Hier gibt es Lidl, Aldi und Co. am Orsteingang. Wir füllen die Vorräte, Obst und Gemüse auf und bringen alles wieder zurück an Bord. Jetzt können wir starten! Als erstes zu den stillgelegten Kreidewerken
in Richtung Promosin, wo wir den Wanderweg nehmen. Der Radweg ist in der Karte verzeichnet, aber in der Realität nicht zu finden. Mit Fluchen von Didi im Ohr geht es hoch hinauf 85 über NN, um anschließend auf dem Rückweg am Kreidemuseum zur Besichtigung anzuhalten. Über Bobbin, Schloss Spyker geht es weiter nach Glowe. Pause! Auf dem Rückweg sehe ich mir den Anleger in Weddeort an. Zu flach für Genesis und kein Anlanden möglich. (Eingezäuntes Hafengelände)

Mittwoch, 12.06.2019 – 58 Km
Wir sind im Training und starten zur nächsten Tour. Aufziehender Seenebel kühlt und trübt die Aussicht. Auf dem Weg nach Lohme radeln wir an riesigen Mohnfeldern vorbei. Hier kommt kein Glyphosat rein. Von Lohme aus fahren wir zum Großen Stubbenkammer. Das Besucherzentrum ist proppenvoll und wir kehren den Informationen den Rücken und fahren die Baustellenstrasse zurück zur Straße nach Sassnitz. Wer kommt uns hier entgegen…? Zwei Busse aus Bayreuth mit den Basketballern, die sich über das Verbotsschild hinwegsetzen und den gesperrten Weg hinauf fahren. Die Jungs haben doch Körner in den Beinen und könnten wie alle anderen Touristen auch vom Parkplatz aus zu Fuß gehen…?
Wir wärmen uns in der nahegelegenen Waldklause auf und über Rusewase geht es in Richtung Dargast. Ein dänischer Caravanfahrer hat seinem Navi wohl zu sehr vertraut und sitzt hier auf dem Fahrweg/Radweg mit seinem Gespann auf und kommt nicht weiter. Wir müssen leider für 2 Kilometer auf die B 96 und ziehen unsere Warnwesten an und schalten das Licht ein. Trotz durchgezogener Mittellinie werden wir „hautnah“ überholt. Es sind doch 1,50m Abstand zum Radler notwendig/erforderlich, nur hält sich heute kein PKW Fahrer daran und zeigt uns eher den Vogel, begleitet mit Hupkonzerten. Die haben doch wie wir Urlaub!? In Sagard können wir der Todesstrasse entfliehen und stärken uns am Fischwagen mit Brötchen. TK-Fisch aus der Edeka wandert in die Packtasche und kommt fast aufgetaut an Bord an. Ergo gibt es heute Fisch.

Draußen sieht es auch nicht einladend aus. Ein Gewitter zieht über uns hinweg. Im Wetterbericht und im Warnwetter vom DWD gibt es keinen Hinweis oder Info zu diesen lokalen Phänomenen.

Donnerstag, 13.06.2019 – 6,6 Sm
Wir sind im Schneckentempo unterwegs. Nach kurzer Distanz fällt der Anker im Lebbiner Bodden und gräbt sich bei 2,70m Wassertiefe und 30m gestreckter Kette ein. Von selbst klappt das Eingraben nicht. Bei fast Null Wind driften wir nicht achterwärts aus. Also buddelt Genesis den Anker mit Motorhilfe ein. Passend zum Lunch steht das Sonnenseegel und nach dem Bad ist bei dieser Hitze vor dem Bad gibt es „Kaltes“ zu essen.

Mit dem Schlauchi geht es zum Anleger nach Grubnow. Die Wassertiefe reicht für Genesis nicht. Also bleiben wir weit draußen vor Anker liegen. Nach einer Umrundung der Halbinsel Liddow kapern wir wieder Genesis. Mit dem Schlauchi sind wir heute länger unterwegs gewesen als mit dem Mutterschiff. Unser Brotvorrat geht zur Neige und ich heize die Backröhre ein. Wenn die Wärme schon im Ofen ist, kann der Auflauf anschließend eingeschoben werden. Die Stille der Bucht törnt an. Wir warten auf die Dunkelheit und den Sternenhimmel. In der Nacht überzieht uns ein Gewitter mit Regen, Wind und selbst hier im kleinen Bodden entwickelt sich eine unangenehme Welle für die Nachtruhe. Der Anker hält, und das Spinnennetz der Schiffsbewegungen auf dem Plotter ist nicht beängstigend. Auch dieses Gewitter wurde auf keinem Wetterkanal angekündigt. Das heißt, nur das eigene beobachtete Wetter zählt.

Freitag, 14.06.2019 – 4,3 Sm
Nach dem Wetterbericht von DP 07 holen wir uns einen zweiten Bericht an Bord. Oje, es kommen bis zu 8 Beaufort in den nächsten Tagen aus Ost und wir liegen hier offen nach Osten. Also Anker auf und schon um 11:30 Uhr liegen wir als erstes Schiff an den nagelneuen Stegen in Breege. Laut Plotter müßte ich auf 1 m Tiefe liegen. Es wurde aber fleißig gespült und gebuddelt und die Steganlage hat jetzt 2,70 m Wassertiefe. In Breege sind wir nun nicht mehr im Großen Jasmunder Bodden und so wird es einen nächsten Blog ab dem Breeger Bodden geben.

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