Rund Usedom mit Klaus-Jürgen (160,42 Sm)

https://youtu.be/Vqh8Rtds4pI Ein Video vom Törn, gesprochen und kommentiert von Klaus Jürgen

Start am 06.09.2019. Ich hole Klaus-Jürgen Zuhause ab und gemeinsam fahren wir nach Greifswald. Zum ersten Mal, dass ich dieses Jahr ohne Stau ankomme. Nach nicht einmal 5 Stunden stehen wir an der Fischtheke vom Marktkauf. Die Matjesbrötchen und ein Schellfischfilet für das Abendbrot füllen die Kühltasche im Kofferraum. Weiter geht es in den ALDI. Mit einem meterlangen Kassenbon verlassen wir den Markt und stauen alles im Wagen. Klaus-Jürgen wird jetzt unruhig und drängelt zum Aufbruch. Er will an Bord.

Vom Parklatz im Heimathafen geht es mit 3 Transportwagen zum Anleger. Mein Platz 78 liegt gefühlte 250m vom Parkplatz entfernt. Wir entern genesis, bauen die Gangway an und legen Strom. Hinein in die gute Stube.


Die offene Bilge ist nicht trocken. Oje. Geschmacksprobe; es ist Süßwasser. Entweder Regenwasser oder Frischwasser aus dem Wassertank. Vor dem Beladen pumpe ich die Bilgen ab. Es gehen 15-20l Wasser über Bord. Jetzt die Bilgen schließen und wir können unsere Einkäufe und Effekten stauen.

Nach der Zwischenmahlzeit mit dem Matjesbrötchen und dem Spülschluck aus der Bierflasche erkläre ich die wichtigsten Sicherheitsfunktionen unter Deck. Die Sonne lockt uns an Deck und so geht die

Sicherheitseinweisung oben weiter. Heute bleiben wir im Heimathafen und warten die Wetterprognosen der nächsten Tage ab. Für Samstag ist SW angesagt. So legen wir Seedorf als ersten Hafen zur Ansteuerung am Samstag fest. Es wird ein langer Abend und wir spinnen unser Seemannsgarn bis die Klüsen zuklappen. Gute Nacht.


Samstag, 07.09.2019: Heimathafen-Seedorf/Rügen 19,2 Sm
Wir sind ausgeschlafen, nehmen unser Frühstück im Cockpit ein und entscheiden uns mit der 11:00 Uhr Brücke zu starten. Den gekauften Fisch habe ich gestern eingefroren. Wir haben unsere mit gebrachten Stullen gegessen und waren danach satt. So gibt es den Fisch heute Abend und ich brauche beim Auslaufen nicht in Wieck halten und bei den Fischern nach Fisch fragen.


Das übliche Leinenentwirren am Pfahl verzögert die Abfahrt. Der Nachbarlieger hat seine Festmacher über meine liegen und meine Leinen sind nicht auf Slip ausgelegt. So ist erst der Palstek zu lösen und auf der Luvseite eine neue Leinenverbindung auf Slip anzubringen. Der Motor wird gestartet und es geht mit Fahrt voraus aus der Box zum Üben des Anlegemanövers. Schiet, bei der Demo des Solo-Rückwärtseinparken verschätze ich mich mit dem einfallenden Seitenwind und der Flaggenstock touchiert den Pfahl. Es macht „knack“ und der Adenauer geht baden. Gut, dass ich den Stock gesichert habe. So kann ich die Flagge an Bord holen und sichern. Nach diesem Malheur breche ich die Übungen ab und wir reihen uns in die Schlange der Wochenendsegler ein, die zur 11:00 Uhr Brücke den Ryck herunter fahren.
Nach Passieren der Brücke setzen wir im Hafen von Wieck das Groß und segeln in der Fahrrinne über die Dänische Wieck in Richtung Norden.

Mit ausgebaumten Passatsegel und Groß passieren wir nach einer Stunde die Tonne Greifswald. Mit dieser Segelstellung können wir unseren nächsten Wegepunkt -Reddewitz- anpeilen. Vor der Einfahrt in den Seedorfer Hafen streichen wir die Segel. Von unterwegs habe ich mir einen Liegeplatz reserviert und Uwe hat die 29 auf „ROT“ gestellt. Und richtig der Platz ist frei und wir fahren in die rote Box. Es ist Kaffeezeit…., es gibt allerdings Matjesbrote und ein Anlegerbier aus der Kombüse im Cockpit. Gestärkt geht es ins Wasser. Bewaffnet mit Spachtel und Schwimmbrett gehe ich den Pocken an den Kragen. Nach einer halben Stunde bin ich um genesis herum und die Wasserlinie und das Ruderblatt sind pockenfrei und ich bin platt. An Land und vor dem Hafenbüro wird gegrillt und Essen aufgetischt. Mmmmhm, das macht Appetit. So wandert schon zur frühen Abendstunde der Schellfisch auf einem Zwiebelbett mit Weißwein zum Dünsten in die Röhre. Hierzu gibt es Senfbutter (Soße) und Kartoffeln aus dem Schnellkochtopf. Der vorgeheizte Backofen kommt ein zweites Mal zum Einsatz. Diesmal landen 2 Brote auf dem Backblech, die nach einer Stunde zum Abkühlen ins Cockpit gestellt werden.

Sonntag, 08.09.2019: Seedorf – Wolgast 20,5 Sm
Was wäre ein Sonntag ohne Ausschlafen? Wir nutzen die Ruhe und bleiben bis 10:00 Uhr in den Kojen. Nach dem „Riesen“Müslifrühstück (für meine Verhältnisse) legen wir um 12:00 Uhr ab. Mit einem schwachen NO geht es mit Halbwind den Zwangsweg in Richtung Landtief. Jeetzt wird die Trimmkiste geöffnet. Klaus-Jürgen nimmt meine Tabellen als Foto auf und ich erkläre die Einstellung und setze diese in der Praxis um. Wir holen über 1 Knoten Fahrt mehr heraus. Mittlerweile sind wir am Landtief West und es regnet. Der Nieselregen wird von einem Regenbogen begleitet. Der Wind schläft gegen 14:00 Uhr vollends ein und mit Motorkraft ziehen wir unseren Kurs den Penestrom hinauf. Wir haben Zeit und zuckeln mit 4 Knoten nach Wolgast. Vor der Brücke steuert Klaus-Jürgen genesis an den Wartedalben. Der zweite Anlauf ist perfekt und wir schwoijen am Dalben und warten auf den 16:45 Uhr Zug.

Nach der Brückenöffnung gehen wir längseits in den Stadthafen. Der Hafenmeister kommt gegen acht Uhr. Er ist (auch) der Schiffsausrüster vom Geschäft gegenüber. Für morgen erwartet er eine Sendung, die, ich will es nicht glauben, Flaggenstöcke enthalten soll. Dann können wir den Adenauer = Nationale wieder vorschriftsmäßig setzen. Bei dem Mistwetter verzichten wir auf einen Spaziergang und gehen dafür in die Klönstube unter Deck.

Montag, 09.09.2019: Wolgast – Rankwitz 10,36 Sm
Wir haben heute nur einen kurzen Schlag geplant; denn wir warten auf den Lieferdienst, der u.a. den Flaggenstock bringen soll. Ich nutze die Wartezeit mit einem Gang zu NETTO und wunder mich über die vielen Brautpaare in der Stadt. Na klar, es ist der 9.9.! Das kann man(n) sich leichter merken. Zur Mittagszeit gehen wir gemeinsam auf ein Fischbrötchen von Bord in Richtung Stadt. Der Schiffsausrüster hat den Liefertermin für 15:00 Uhr bestätigt bekommen. Das reicht für uns noch für einen Cappucino, um die Zeit zu überbrücken. Gegen 16:00 Uhr ist immer noch kein Paket eingetroffen. Wir sind das Warten leid und werfen die Leinen los. Es geht weiter südwärts den Peenstrom hoch. Die WaschPo fährt parallel und kontrolliert im Strom die Angler. Wir sind heute nicht das Ziel einer Kontrolle und sind irgendwann außer Sichtweite. Nach gut zweieinhalb Stunden legen wir in Rankwitz an der „Kaimauer“ an. Unser Nachbarlieger mahnt uns zur schnellen Entscheidung. In 20 Minuten schließt die Speisenbestellung im Restaurant. Kein Klar Schiff, aber ab in die Jeans. Portmonnaie eingesteckt und los gehts. Puh, das war knapp. Unsere Bestellungen aus der Küche werden angenommen und ich entrichte im Fischladen die Hafengebühr. € 13,20 incl. freies Duschen und keine Kurtaxe. Hier will ich bleiben. Das Essen ist lecker. Danke Klaus-Jürgen für die Einladung.


Das Lokal will schließen und wir kommen entsprechend früh zurück. Deutschland spielt heute gegen Irland und wir haben kein RTL. So schauen wir alle paar Minuten bei Spiegel Online nach den Verlauf. Es wird heute ein besseres Ergebnis eingespielt als am Samstag gegen die Niederlande.

Dienstag, 10.09.2019: Hafentag in Rankwitz
Geweckt werden wir von den einlaufenden Wellen, die unter dem Heck schlagen und anklopfen. Es weht bereits mit 25 Knoten und der Wetterbericht warnt für die Mittagszeit mit Böen von bis zu 9 Beaufort. Die Tagesplanung ist schnell erledigt. Wir bleiben im Hafen und wettern ab. Mit so viel Wind gehe ich kein Risiko in diesen engen Fahrwassern ein. Nach dem Frühstück kaufe ich für das Abendbrot ein Zanderfilet und bin froh wieder an Bord zu sein. Bei dem durchziehenden Regen bin ich schnell durchgeweicht und trockene meine Sachen im WC Raum. Was machen wir: lesen, basteln und die Zeit vertreiben.

Zwei Böen ziehen mit über 40 Knoten über uns hinweg. Abwarten und Tee, nein Kaffee trinken. Um vier wird es etwas ruhiger. Die Wellen laufen weiter ohne Ablenkung unter bzw. gegen das Heck. Bumm, Bumm und nochmals Bumms. Was so ein Rumpf aushalten muss? Das wird eine unruhige Nacht werden.

Mittwoch, 11.09.2019: Rankwitz-Swinemünde 38,2 Sm
Frühes Aufstehen ist angesagt. Mit einem kleinem Snack im Magen geht es unter Maschine zur Zecherin Brücke. Jetzt um 07:00 Uhr ist das Fahrwasser ruhig und wir haben nur zweimal Grund berührt und ziehen eine braune Schlammspur hinter uns her. Ich rufe die Brücke an. Wird heute pünktlich geöffnet? Wir sind die einzigen, die weit und breit unterwegs sind. Um 08:30 Uhr passieren wir das Nadelöhr und können die Segel setzen. Der SW mit 3-4 treibt uns den Peenestrom hoch und weiter geht es ins Stettiner Haff. Die Tonne Peenestrom Süd H1 verschwindet im Kielwasser. Der Gennaker wird um halb elf gesetzt und bleibt bis halb zwei oben. Links und rechts vom Zwangsweg stehen die Netze. Es wird eng zum Gennakerbergen. Kurz vor der 2m Linie ist er unten…! Der Furler läuft nicht und der Gennaker geht Hand über Hand in Lee vom Groß durch die Salonluke unter Deck. Aufgeklart wird im Hafen. Jetzt in die Rinne und im Fahrwasser bleiben. Von achtern kommen dicke Pötte auf und wir segeln in der Kaiserfahrt am rechten Rand. Um halb vier liegen wir im Yachthafen, zahlen die Gebühr und ich lade Klaus-Jürgen in die Hafenpinte ein.

Donnerstag, 12.09.2019: Swinemünde-Lubmin 43,44 Sm
Nachdem gestern die Küche kalt blieb, haben wir heute Morgen keinen Abwasch und legen um viertel nach sieben ab. Es geht erst einmal ungerefft auf die Ostsee. Querab von Heringsdorf reffe ich ein. Der West hat mittlerweile auf 5-6 zugenommen und wir laufen parallel zur Usedom Küste nach Nord-West in Richtung Greifswalder Oie.

Die Osttieftonne und dem weiteren Fahrwasserverlauf in Richtung Ruden kann ich nicht folgen. Das wird bei WWS 5 viel Gegenwind geben und unter Maschine möchte ich nicht fahren. Also gehen wir südlich und anschließend östlich um das Greifswalder Oie herum. Der Kurs ist angenehmer und nachdem wir genügend Freiraum vom Riff vor dem Oie haben, steuern wir das Landtief zur Mittagszeit an. Natürlich dreht der Wind im falschen Moment auf SW 5. So unterstützt uns die Dieselgenua beim Steuern im Landtief Fahrwasser. Um drei Uhr sind wir im Hafen von Lubmin und gehen rückwärts in die Box. Die Sonne scheint und so kommt die Wäsche an die Leine. Ich entrichte die Hafengebühr und lerne die Autorin der Ostseeführer /-bücher kennen. Sie korrigiert gerade die letzte Auflage vom …… und ich kann ihr aus meinen diesjährigen Erfahrungen um Rügen und Usedom berichten und Anschriften nennen. Klaus-Jürgen wundert sich schon, wo ich so lange geblieben bin, als ich zurückkomme. Er wartet auf den Toilettenschlüssel. Auf den Eintopf im Schiffsrestaurant habe ich keinen Bock. So wird bei uns eingeheizt und das Schweinefilet kommt in die Röhre.

Freitag, 13.09.2019: Lubmin-Wieck 12,77 Sm
Mit einem SW mit 4-5 geht es in den Industriekanal. Ich will hier und nicht bei dem Tanz am Mast die Segel setzen. Das Großfall bekommt zu viel Lose und beim Drehen in den Wind verhakt es sich an der Navileuchte vor dem Mast. Grrrhhh und das bei dem Starkregen. Mit dem Fall des Stagsegels und dem verlängerten Bootshaken kämpfe ich um die „Freilassung“ des Großfalls. Klaus-Jürgen fährt im Hafenbecken des Industriehafens seine Kringel und ich springe, fluche, zerre und bringe endlich das Großfall klar. Die Aktion hat Zeit und Schweiß gekostet. Nun aber hoch mit dem Lappen und ab durch den Kanal in den Bodden. Kaum draußen springt der Wind auf West, beschleunigt und ist eine Stunde später im NW bei 6 angekommen. Nun ist die Kaltfront durch und wir genießen auf der Rückseite heiteren Sonnenschein. Zur Mittagszeit sind wir bei Gurke auf ein Lachsbrötchen.

Nach der 13:00 Uhr Brücke geht es in den Heimathafen an die Tanke. Wir füllen über 50 l Diesel in den Tank und verholen uns in eine freie Box neben der Tankstelle. Ich fahre einkaufen und Klaus-Jürgen wäscht das Deck und klart auf. Der nächste Gast und Mitsegler kommt heute Nachmittag an Bord.

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