Bornholm, wir segeln zurück (82,87 Sm)

Donnerstag, 19.09.2019, Rönne – Lubmin (69,27 Sm)

Ich stehe um 05:30 Uhr auf; checke Fender und Festmacher und den letzten Wetterbericht. Mit „Reise, reise, reise“ wecke ich sanft die Crew. Wir sind nach einem reichhaltigen Frühstück um halb acht startklar. Ich lasse Genesis in die Achterspring eindampfen und wir lösen uns vom Steg. Mit dem Heck im Wind liegend klaren wir auf. Leinen aufschießen, Fender festbinden und die Segel anschlagen.
Im Hafen ziehen wir das Groß hoch und eine viertel Stunde später geht die Post ab hinein ins Kasgaard. Wir sind schnell von der Mole frei und steuern nun auf dem anderen Bug mit 220° Winkel in Richtung Windpark am Adlergrund. Mit der Genua 2 und dem 1. Reff liegen wir gut in der Welle und reiten diese mit 7-8 Knoten ab. Um 09:00 Uhr gebe ich die Wache an Volker ab, der die nächsten zwei Stunden Ausschau hält Unser Wind aus W-NW mit 4-5 Beaufort ist konstant. Ich lasse das Reff eingebunden, um keine grünen Gesichter zu sehen. Unter Deck tippe ich den Blog in Word weiter; denn wir sind außerhalb eines Netzes. Ein Ruf von Volker und ich komme an Deck. Ein Fischer zieht sein Netz ein und kreuzt dabei unseren Kurs. Keine Bange, wir gehen achtern durch. Die Peilung steht und wir bleiben auf Kurs. Nachdem uns die Fähre „Hammerhuis“ auf dem Weg nach Mukran/Rügen überholt hat, fallen wir 5° ab. Der Wind dreht mehr auf NW und die ersten 6er Böen fallen ein. Bislang erreichte Spitzengeschwindigkeit von 9,2 Knoten über Grund. Der Windpilot fährt die Böen sportlich aus und die Crew hat ein Lachen im Gesicht. Wir gehen südlich am Windpark vorbei und lassen ihn auf der Steuerbordseite liegen.
Der neue Kurs (205°) wird bekannt gegeben. Es geht nicht nach Sassnitz, auch nicht in die Ankerbucht vor Thiessow – nein wir segeln nach Lubmin. Ich schüttele das Reff aus. Die Genua 2 bleibt stehen. Um zwei Uhr dreht der Wind auf WWN und nimmt an Stärke zu. Mittlerweile haben wir 19-22 Knoten Wind. Ich tausche /wechsele die Vprsegel. Klüver hoch und im Windschatten wird die Genua eingerollt. Mittlerweile haben wir Anne überholt und um ganz sicher zu sein, dass Sie es ist, fahre ich das Münchner Manöver = Mann über Bord Manöver. Nach der 2. Wende gehe ich ins Beidrehen, bis Anne an uns vorbeizieht. Sie ist es. Chapeau! Soloseglerin im Freisemester. Sie macht diesen Sommer ein „Segelsemester“ Ostsee rund.  Anschließend geht es im nächsten Jahr an die Doktorarbeit.
Pünktlich zur Kaffeezeit erreichen wir das Landtief nach 60 Seemeilein gut 8 Stunden. Heute ist es ein 7,5 Knotenschnitt. Klaus-Jürgen steuert in seiner Wache von Hand und „Otto“, der Autopilot hat wachfrei. Nach der Passage des Landtief Fahrwassers fahren wir auf die Türme vom ehemaligen Kernkraftwerk zu und bereiten uns innerlich auf die Ankunft vor.

Wir bergen um halb fünf Uhr im Fahrwasser die Segel, legen die Festmacher aus und hängen die Fender tief. In Lubmin liegen schwimmende Fingerstege. In der ersten Boxengasse werden wir fündig und vorwärts geht es in die grün gezeichnete Box 35. Die Heckleine kann ich um die Klampe am Steg vom Schiff aus belegen und dampfe rückwärts in diese nun als Achterspring genutzte Leine ein. Mit festgesetzten Ruder bleibt Genesis auf Position und ich kann die Vorleinen belegen und mit einer Vorderspring das Boot vom Steg freihalten. Motor aus, Segel und Schiff aufklaren und das Anlegebier genießen.

Wir planen auf dem Restaurantschiff zu essen und ein Weizen zu trinken. Leider ist geschlossen; mittags hatten die Wirtsleute ein Catering und sind platt, bzw. haben wohl keine Lust mehr. Die Küche bleibt kalt. Ich zahle die 15 EURO und hinterlege das Pfand für den WC Schlüssel. Es gibt an Bord einen Linseneintopf mit einer Chorizo, vielen Karotten und Zwiebeln. Wir nehmen zweimal einen Nachschlag und der Topf ist leer.

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