Bornholm, ich komme bald wieder – Rund Rügen (187,7 Sm)

Samstag, 21.09.2019: Wieck-Sassnitz (32,93 Sm)
Die einen gehen, die anderen kommen. Klaus-Jürgen und Volker fahren nach Hause, der eine per Bahn, der andere auf der Autobahn. Ich will gerade zum Einkaufen fahren, da kommt bereits die Folgecrew auf den Parkplatz gefahren. Claudia und Markus kommen für eine Woche an Bord. Gemeinsam entern wir Genesis und ich mache die Erklärungsrunde mit Sicherheitseinweisung unter Deck. Anschließend lasse ich die beiden „ankommen“ und einrichten, während ich die Einkäufe tätige. Unser Plan steht schnell fest. Mit dem Wetterfenster rückt für heute eine Fahrt bis in die Nacht mit den beiden nach Bornholm in den Bereich des Möglichen.

Wir nehmen die 13:00 Uhr Brücke setzen nach der Durchfahrt die Segel und folgen der Kielspur (Track) von letzter Woche. Wir haben 5 EURO spendiert und die Sonne lacht. Nur der Wind braucht etwas anderes. Sollen wir Neptun ein Opfer bringen? Nein! Nach 2 Stunden wird der Diesel gestartet und wir segeln dänisch in das Landtief hinein. Am Ende der Fahrrinne der nächste Segelversuch. Das Passatsegel wird zum Schmetterling und der SPI-Baum in Luv gesetzt. Wir dümpeln bei 1-2 Konten Wind mit fast der gleichen Fahrt der Tonne Landtief A entgegen. Wir halten eine kleine Besprechung ab und entscheiden uns Bornholm rechts liegen zu lassen und unter Motor Sassnitz anzusteuern. Bornholm unter Maschine? Nein Danke! 10-11 Stunden Motorbootfahrt muss nicht sein. Selbst nach Sassnitz sind es über zwei Stunden. Dann ist das Hafenbüro bestimmt geschlossen. Irgendein Stegnachbar wird uns sicher den Toilettencode nennen. In der Kombüse bereiten wir einen Eintopf vor, der nach dem Anlegen fertig wird. Den Anleger fahren wir in der Dunkelheit römisch-Katholisch und um 21:45 gehen die Leinen und der 5. Festmacher an Land. Nach dem Anlegerbier kommt der Eintopf auf den Tisch und wir haben viel Seemannsgarn zu spannen. Es wird spät. Nach Mitternacht geht es in die Waagerechte.

Sonntag, 22.09.2019: Sassnitz-Glowe (18,37 Sm)
Nach einem Stadtrundgang und Strandspaziergang geht es zum Mittagessen wieder an Bord. Der erste „Sand“ wird eingetütet. Claudia und Markus sammeln Sand von Stränden, die sie besucht haben. Wenn schon diesen Kreidesand von Sassnitz Gefallen findet, dann segeln wir zur Schaabe. Mehr Sandstrand als dort, hat die deutsche Ostseeküste nicht zu bieten. Wir legen um 14:00 Uhr ab und es geht an den Kreidefelsen entlang. Am Köllicker Ort tauschen wir die Genua 2 gegen den Gennaker und lassen ihn fliegen. Irgendwann kommen wir bei dem Ost in die Windabdeckung von Rügen und rollen den „Italiener“ (Gennaker) wieder ein. Mit der Dieselgenua geht es in den Hafen von Glowe. Kein Hafenmeister in Sicht, der uns einen Platz zuweist. So legt Markus genesis quer an den zweiten Kopfsteg. Unterwegs haben wir einen Eintopf vorbereitet, der nun hungrige Abnehmer findet.

Montag, 23.09.2019: Glowe-Klosters (28,36 Sm)
Es gibt heute Brötchen zum Frühstück und eine weitere Sandstrand oder Strandsand Portion in der Tüte für die Sammlung. Wir sichten wieder keinen Hafenmeister. Ich habe drei Anläufe unternommen, um meiner Bringeschuld gerecht zu werden – kein Hafenmeister in Sicht und eine verschlossene Bürotür. So übernimmt Markus den Ableger und ich ziehe mit Claudia noch im Hafen das Groß hoch. Draußen bläst es mit 5-6 aus Ost. Das erste Reff haben wir vor dem Ablegen eingebunden und können nach der Hafenausfahrt das Segel dichtholen und die Genua 2 ausrollen. Eine gute Stunde später haben wir Kap Arkona querab und wir gehen auf Westkurs. Wir nehmen das Groß weg und ich kämpfe mit den Spibäumen auf dem Vordeck, um das Passatsegel zu beiden Seiten auszubaumen. Wir sind weiterhin mit über 7 Knoten unterwegs. Um halb drei liegt die Ansteuerungstonne von Hiddensee an Backbord. Aus dem Passatsegel wird wieder die Genua 2 und die Spibäume verschwinden in den Lazybags. Die Vorleinen übernimmt der Hafenmeister nachdem er uns eine Box in der ersten Reihe zugewiesen hat. Die Crew unternimmt einen Strandgang zum Sand einsammeln und ich bereite das Abendbrot vor. Wir haben Gerd zum Essen eingeladen. Er ist mit einer Dehler 31 nonstop von Bornholm gekommen und ziemlich ausgelaugt nach über 80 Solo-Seemeilen ohne Autopilot.

Dienstag, 24.09.2019: Klosters-Stralsund (17,11 Sm)
Die Crew nutzt die Gelegenheit vor dem Einfall der Tagestouristen auf den Dornbusch zu wandern. Ich lege in der Zwischenzeit die Bilgen trocken. Diesmal hole ich nur 1l heraus. Also muss es eine Undichtigkeit am Wassertank sein. Regen hat es seit einer Woche nicht mehr gegeben. Nach dem Crewwechsel bin ich mit 3/4 gefüllten Tank gestartet und es ist viel weniger herausgelaufen, als in der ersten Woche. Bei einem SO mit 1 Beaufort legen wir um halb zwei ab und motoren im Wechsel am Ruder nach Stralsund. Unterwegs gibt es die Reste vom Bollo, Schokolade und Espresso. Wir legen uns nach 4 Stunden Fahrt an den Kopf vom 2. Schlengel, begrüßen den Hafenmeister, finden Strom für die Herdplatte und ich backe schnell noch ein Brot.

Mittwoch, 25.09.2019: Stralsund-Lauterbach (28,03 Sm)
Nach dem Stadtrundgang gehen wir an Bord und drehen unsere Kringel vor der Ziegelgrabenbrücke, die um halb eins öffnet. Die Segel gehen nach der Brücke hoch und die Regatta der auslaufenden Schiffe beginnt. Nur der „Wappen von Bremen“ läuft unter Maschine. Ab Neuhof liegen wir vorne und haben alle vor uns segelnden Schiffe überholt.

Gefühlte 20 Kreuzschläge

Um drei Uhr passieren wir Stralbrode. Nun werden die Kurse auf dem Bringebug länger. Vor der Insel Riems tricksen wir mit der Dieselgenua für mehr Höhe und können wenig später Kurs auf die Insel Vilm anlegen. Seedorf fällt aus. Soviel Höhe packen wir nicht und für weitere 10-20 Wenden haben wir keine Puste mehr. Uns gehen so langsam die Körner aus. Am Trendelriff starte ich den Motor. Die Segel werden aufgetucht bzw. eingerollt. Markus fährt den Anleger im alten Stadthafen und ich suche anschließend den Hafenmeister auf. Fehlanzeige! Die Bundesbahn hat den Bahnübergang gesperrt. Vom Steg gibt es nicht mehr den kurzen Weg in den Jaich. Ich starte die Maschine und wir verlegen uns in die Marina an den Chartersteg. Mit ausgeklappter Bugleiter entern wir den Steg und gehen in den „Schwarzen Bär“ zum Essen. Nichts los in Lauterbach. Wir sind die einzigen, die im Ort unterwegs sind. Dafür ist die Küche gut und alles wird frisch zubereitet. Kein Dampfgarer, keine Mikrowelle und keine Convenience Produkte! Chapeau Herr Wirt! Wir verholen uns nach dem Essen an Bord in die Kojen.

Donnerstag, 26.09.2019: Lauterbach-Karlshagen (21,2 Sm)
Auch heute ist wieder Kreuzen angesagt. Der Wind kommt aus SW 2, später SSW 2-3 bis S 1-2, bevor er ganz einschläft. Bei dem schlappen Wind dümpeln und schaukeln wir vier Stunden unter Segel. Es gibt einen Gruß aus der Pantry und Espresso danach. Am Ende der Knackrückenrinne hilft nur noch der Motor, um unser heutiges Ziel zu erreichen. Um kurz vor vier liegen wir recht „schräg“ in der letzten Box. Genesis ist zu breit für die Boxen in Karlshagen. Claudia geht eine Runde joggen, um Sand am Strand von Usedom einzutüten. Ich blogge und Markus macht einen ausgedehnten Hafenrundgang.

Freitag, 27.09.2019: Karlshagen-Greifswalder Oie- Heimathafen Wieck (41,7 Sm)
Ohne Frühstück starten wir schon vor acht Uhr. Die Segel gehen im Peenestrom hoch und mit dem SO – SSO um 5 geht es zwischen Ruden und Usedom das Fahrwasser in Richtung Greifswalder Oie. Wir wollen segeln, wir wollen Spaß und geben Gas. Auf der Logge lesen wir später 12,8 Knoten als maximalen Speed. Die Osttieftonne bleibt an Steuerbord und eine halbe Stunde später gehen wir östlich vom Oie mit einer Halse auf Steuerbordbug. Mittlerweile, 10:00 Uhr weht es beständig mit 6 Beaufort. Das erste Reff wird eingebunden und Claudia reicht uns belegte Brote ins Cockpit. Es regnet. Nein, es schüttet. Meine Segelhose ist durchnässt. Goretex !? Die von Markus ist dicht. Musto MPX! Ich hole meine „Fischerhose“ aus dem Schapp. Das gute alte Ölzeug. Und siehe da, die Hose hält dicht. Wir sind weiter auf Kurs in Richtung Lndtief Ansteuerung. Um halb zwölf macht der Wind eine Pause. Wir schütteln das Reff wieder aus, steuern durch das Landtief und nehmen Kurs auf die Tonne Greifswald. Zur Kaffeezeit kommt das Groß herunter und die Genua wird eingerollt. An der Wassertankstelle parken wir ein und ich lade zum Lachsbrötchen bei Gurke ein. Mit der 16:00 Uhr Brücke dampfen wir in den Heimathafen und finden ein leeres Plätzchen an der Dieselzapfsäule. Trotz der vielen Segelstunden haben sich 18 Motorstunden addiert. Mal unterstützend mitgelaufen oder komplett gemotort. Die Heizung läuft heute viele Stunden, um die nassen Sachen zu trocknen und die Feuchtigkeit aus dem Schiff zu bekommen.

Ich bin selbst erschrocken, als mir Matthias am anderen Morgen die Tankrechnug präsentiert. 47l Diesel haben wir verbraucht. Claudia und Markus verabschieden sich von mir und nehmen den Spi und das Schlauchboot mit nach Hause. So habe ich mehr Platz zum Laden; denn ich will genesis in den kommenden Tagen komplett leer räumen.